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Abhyasa & Vairagya

Heute beginnt das 6. Modul meiner 11. Yogalehrer Ausbildung.

Wenn du schon mal zu mir in die Yogastunden gekommen bist, dann weisst du bestimmt wie gerne ich die Yogaphilosophie in die Asana Praxis miteinfliessen lasse. Bei meiner Meditation heute Morgen kam dann das Thema für die heutige Asana Praxis - Abhyasa & Vairagya.



Schon länger befasse ich mich mit diesem Sutra, welches man in der Bhagavad Gita sowohl bei Patanjali findet. Abhyasa übersetzt bedeutet = Bemühung, Anstrengung, aktiv & kontinuierlich einer Sadhana (Praxis) nachgehen, Durchhaltevermögen, Disziplin. Vairagya bedeutet = Gelassenheit, Leichtigkeit, Losgelöst sein von äusseren Umständen, Erwartungen, Wünschen und Bedürfnissen.




Vielleicht fragst du dich wie es gehen soll, dass du kleine sowie grössere Lebensziele ohne Erwartungen erreichen kannst? Dieses Sutra möchte uns frei machen von Enttäuschung und Leid.


Nehmen wir ein Beispiel aus der Asana Praxis. Eines Tages gehst du in ein Yogastudio und dein:e Yogalehrer:in sagt am Anfang der Stunde, dass ihr heute eine Rückbeugen Praxis macht und die Peakpose das Rad (Urdhva Dhanurasana) sein wird.


Du spürst vielleicht eine Erwartung, dass du dies auch schaffen möchtest. In diesem Moment verabschiedet sich die Leichtigkeit und du hast bereits dir eine Erwartung an deine Praxis geknüpft. Wie oft sind uns Erwartungen an uns selbst und unseren Mitmenschen nicht bewusst?


Abhyasa und Vairagya zu praktizieren würde in diesem Fall bedeuten. Du lässt dich auf deine Praxis ein und praktizierst mit Hingabe und Achtsamkeit ohne jegliche Erwartung, dass dein Körper das Rad schaffen muss. Vielleicht sagt dein:e Yogalehrer:in: "Wenn du dich heute bereit fühlst, das Rad zu üben, dann darfst du jetzt dich hochschieben." Auf einmal findest du dich in deinen kraftvollsten Herzöffner und hast es mit Leichtigkeit und ohne Erwartung geschafft. Vielleicht berührt dich diese Erfahrung aber auch diesen "Erfolg" darfst du wieder loslassen und dich frei von jeglicher Identifikation machen.


In der heutigen Social Media Welt, wird vieles nach aussen getragen, viele bewegliche und kraftvolle Yogis, die ihre Asana Praxis im besten Licht und in traumhaften Locations ablichten (me guilty too ;-) ) Einerseits kann man sich selbst fragen, bin ich meine Asana Praxis? Identifiziere ich mich mit meiner Flexibilität und Kraft meiner Asana Praxis? Fühle ich mich dadurch vielleicht erhabener als Menschen, die weniger Kraft oder Beweglichkeit verfügen?


Oder geht es dir genau andersrum, dass du dich schlecht fühlst, weil du darunter leidest, dass einige oder viele Asanas aus unterschiedlichen Gründen nicht gelingen wollen? Dieses Anhaften bringt Trennung und dadurch kommen wir zum leiden. Patanjali gibt uns mehrere Hinweise darauf. In den Yamas erklärt er uns das Prinzip von Aparigraha, loslassen, nicht anhaften. Wir kommen in dieser materiellen Welt ohne nichts an und so gehen wir wieder. Er erklärt uns auch in den Kleshas warum wir Menschen die Tendenz haben zu leiden. Raga und Dvesha, Haben-Wollen und Nicht-Haben-Wollen ist etwas was uns ständig und täglich begleitet. Wir wollen flexibel sein und das Rad machen können. Wir wollen keine körperlichen Schmerzen und Einschränkungen ertragen müssen. Wir kommen zurück zu Vairagya, wenn wir es schaffen uns von Raga und Dvesha zu lösen, dann sind wir frei.


Bhagavad Gita, Vers 6.34

Arjuna sprach: „Der Geist ist wahrlich ruhelos, ungestüm, stark und unnachgiebig, Oh Krishna, ihn zu kontrollieren erscheint mir ebenso schwierig wie den Wind zu kontrollieren.“


Bhagavad Gita, Vers 6.35

„Krishna sprach: „Zweifellos, Oh mächtig bewaffneter Arjuna, der Geist ist schwer zu beherrschen und ruhelos. Aber durch Abhyasa und Vairagya kann er bezähmt werden.“


In der Bhagavad Gita, Vers 6.33-36, erklärt Lord Krishna das Konzept des Geistes und wie er sowohl Freund als auch Feind auf der spirituellen Reise sein kann. Er erklärt, dass der Geist ein Freund sein kann, wenn er kontrolliert und auf das ultimative Ziel der Selbstverwirklichung ausgerichtet ist, aber er kann auch ein Feind sein, wenn er unkontrolliert bleibt und wir mit der Ablenkungen der materiellen Welt zu kämpfen haben.


Wie sieht es bei dir aus? Was gelingt dir mit mehr Leichtigkeit? Die Anstrengungen oder die Gelassenheit? Mir wurde Abhyasa bis zur Perfektion vorgelebt. Mir fällt es leicht mich auf meinen Yogaweg und die dazugehörende Disziplin einzulassen. Weniger einfach fällt es mir regelmässig Pausen zu gönnen und mir mehr Leichtigkeit zu schenken.



Aus Patanjalis Yogasutras - 1.12. abhyāsa-vairāgya-ābhyāṁ tan-nirodhaḥ abhyâsa = beharrliche Übung, Anstrengung, Enthusiasmus vairâgya = Nichtanhaften, Wunschlosigkeit, Losgellöstheit âbhyâm = beides tan–nirodhah = Abstellen, Unterdrücken, beherrschen (der Chitta–Vrittis)

„In der Balance aus Anstrengung und Gelassenheit wird der Geist beruhigt“ oder „Die Kontrolle der Gedanken im Geist, wird durch Übung und Losgelöstheit erreicht.“

Auf der einen Seite müssen wir Streben, an uns arbeiten und beharrlich danach trachten uns zu vervollkommnen. Auf der anderen Seite müssen wir aber auch Loslassen und Ankommen, also das ungetrübte Sein im Hier und Jetzt erfahren. Bei den meisten steht entweder das Eine oder das Andere zu sehr im Vordergrund. Wenn Abhyasa zu stark ist, wird man engstirnig, unlocker und vielleicht sogar dogmatisch. Wenn Vairagya zu sehr betont wird, wird man lasch, träge und kraftlos. Und so brauchen wir beides um uns weiterzuentwickeln.


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